EDUARD  ERDMANN
(18. März 1896  -  21. Juni 1958)



Die folgenden, mehr tabellarischen Daten, sind dem Buch "Begegnungen mit Eduard Erdmann" entnommen, angeglichen und leicht ergänzt.
Der Band erschien 1968 zur Erinnerung an seinen 10. Todestag unter Mitarbeit von Erdmanns Freunden, Schülern und nicht zuletzt Dank der Unterstützung seiner Ehefrau Irene, die den Nachlaß ihres Mannes zur Verfügung stellte.
Gesammelt und herausgegeben von Christof Bitter und Manfred Schlösser, erschienen als Vierter Druck der Erato-Presse, Darmstadt, in einer auf 1000 Stück limitierten und handschriftlich numerierten Ausgabe.


 

1896
geboren am 05. März (*) in Wenden (Livland, Baltikum) als Sohn des Rechtsanwaltes Georg Piers Erdmann und seiner Ehefrau Wilma, geb. Kiparski
Großonkel ist der berühmte Philosoph und Psychologe Johann Eduard Erdmann (1805 - 1892)
Übersiedlung der Familie nach Riga
(*) nach dem zu dieser Zeit gültigen russischen Kalender; entspricht dem 18. März nach dem hier verwendeten gregorianischen Kalender

Erdmann mit seinen Eltern und Brüdern Hans, Gori, Harry (1901)

1903
Besuch des Privatgymnasiums von Tidebühl  in Riga, Unterrichtssprache war Russisch

1904
Erster Klavierunterricht


1909

Juli bis September
Große Reise mit den Eltern nach Deutschland, Schweiz, Frankreich, Spanien, Tunesien, Italien.
Der junge Erdmann führt Tagebuch über die wichtigsten Eindrücke und Bekanntschaften

1910
Erstes Auftreten in einem Schülerkonzert in Riga

Der 10-jährige Erdmann am Klavier

1912
Klavierunterricht bei dem Leschetitzky-Schüler Bror Möllersten in Riga
Erste veröffentlichte Komposition „An den Frühling“
Teilnahme am allrussischen Klavierwettbewerb in Moskau als jüngster Konkurrent

1913 - 1914
Theorieunterricht beim Domorganisten Harald Creutzburg in Riga

1913
Tod des Vaters

1914
Frühjahr: Abitur mit 14 Hauptfachprüfungen

1912 - 1914
Klavierunterricht bei Jean du Chastin in Riga
Sommerkurse bei Conrad Ansorge in Königsberg

1914
Übersiedlung mit der Mutter nach Berlin (Kaiserallee 206, Gartenhaus, parterre)

1914 - 1917
Unterricht bei Conrad Ansorge in Berlin

1915 - 1918                                      Heinz Tiessen (Altersbildnis)
Kompositionsunterricht bei Heinz Tiessen

1916
28. April: Erste öffentliche Aufführung seiner Lieder in Berlin

1918
Komposition des ersten Orchesterwerkes (Rondo, op. 9) beendet

1919
28. März: Erstes öffentliches Auftreten als Pianist in Berlin
30. Juni: Heirat mit der 24-jährigen Irene von Willisch
Bekanntschaft mit den jungen Künstlern von Berlin
Freundschaft mit Artur und Terese Schnabel

1920
Freundschaft mit Ernst Krenek, Alois Hába und Anna Mahler (Kreneks erster Frau)
Freundschaft und Duo-Spiel mit der australischen Geigerin Alma Moodie (ab 1939 teilweise zum Trio erweitert durch Karl Maria Schwanberger); endete mit dem Tod Alma Moodies im Jahr 1943
09. April: Uraufführung der 1. Symphonie op. 10 beim 50. Tonkünstlerfest des Allgemeinen Deutschen Musikvereins in Weimar

Ernst Krenek im Jahr 1924

1921
Februar: Uraufführung des „Rondo op. 9“ durch die Berliner Philharmoniker unter Arthur Nikisch
Freundschaft mit Emil Nolde
Geburt der Tochter Jolanthe (wird 1947 die zweite Ehefrau seines Freundes Emil Nolde; in ihr mochte der Künstler seinen Traum von Jugend und Kindheit als Metapher für Ursprünglichkeit wiedergefunden haben)

1921 - 1922
Beginn der Auslandstourneen durch Schweden, Norwegen, Spanien.
Es folgen bis Mitte der 50er Jahre Tourneen nach Portugal, Italien, Schweiz, Rumänien, Russland, Finnland, Estland, Lettland, Polen, Tschechei, Österreich, Holland, Luxemburg, England

1921 - 1923
Mitglied der Jury der „Donaueschinger Kammermusiktage für zeitgenössische Tonkunst“, zusammen mit Heinrich Burkard und Joseph Haas

1922
Geburt des Sohnes Piers
Erdmann bespielt in London Walzen für mechanische Klaviere der Firma Aeolian Company Ltd.

1923
Kauf des Hauses in Langballigau (Flensburger Förde)

1924
Geburt des Sohnes Jobst
Freundschaft mit Philipp Jarnach

1925
Berufung an die Staatliche Hochschule für Musik in Köln durch Hermann Abendroth und Walter Braunfels
Beginn des systematischen Aufbaus der später ca. 12000 Bände umfassenden privaten Bibliothek
Freundschaft mit Heinrich Jalowetz, Hans Ornstein, Hans Hamburger, Helmuth Plessner und Max Scheler

1926
04. Dezember: Erdmann spielt zur Eröffnung des in Dessau neu errichteten Bauhauses

1927
Geburt der Tochter Judith

Erdmann im Jahr 1929

1929
Tod der Mutter
Beginn des Duo-Spiels mit Walter Gieseking; letztes gemeinsames Auftreten 1943 in Berlin

1932
Freundschaft mit Max Rychner

1935
Erdmann kündigt seine Professur an der Kölner Hochschule letztendlich infolge nazistischer Ausschreitungen gegen jüdische Kollegen, die von SS-Offizieren verprügelt werden
Seine Kompositionen werden mit Aufführungsverbot belegt

1936 - 1945
vermehrte Konzerttätigkeit im In- und Ausland

1946
05. April: erstes Auftreten nach dem 2. Weltkrieg in Hamburg, Zyklus (4 Abende) mit Werken, die während des Dritten Reichs verboten waren (u.a. Schönberg, Hindemith, Krenek, Tiessen)
Berufung als Lehrer nach München und Berlin, Erdmann lehnt jedoch ab

1947 - 1954
wieder intensive Konzerttätigkeit

1950
Berufung als Leiter einer Meisterklasse für Klavier an die Hochschule für Musik in Hamburg durch Philipp Jarnach

1954
erster Herzinfarkt

1958
April: Reise nach Sizilien
05. Juni: letztes Konzert in München in Vertretung für die erkrankte Clara Haskil
21. Juni: Tod in einem Hamburger Krankenhaus nach einem schweren Herzanfall

Irene Erdmann, 1965           Erdmann im Jahr 1955



Inzwischen habe ich über Herrn Prof. Dr. Volker Scherliess freundlicherweise seine Genehmigung erhalten, die seinerzeit von ihm geschriebenen Artikel hier zu veröffentlichen.

Der Nachlaß von Eduard Erdmann ist mittlerweile nach Berlin überführt (Archiv der Akademie der Künste) und eine umfangreiche Publikation soll veröffentlicht werden.
Diese geht hervor aus der Veranstaltungsreihe im Museeum für Kunst und Kulturgeschichte Lübeck im Jahre 1996, iniziiert von der dortigen Hochschule für Musik, "Musik in Deutschland der 1920er bis 50er Jahre" und dem damaligen 2. Hauptteil "Eduard Erdmann zum Beispiel - ein Musiker in Deutschland".

An dieser Stelle nochmals meinen herzlichen Dank für die Unterstützung durch Herrn Prof. Dr. Volker Scherliess und seinen unermüdlichen Einsatz zum Gedenken an einen großen Musiker sowie zum Verständnis seiner Kompositionen.



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